Ein Rundgang durch den Kirchgarten

Oft stehen Kirchen auf großen Plätzen, damit man um sie herum spazieren kann. Andere sind in städtische Quartiere eingebunden, von Wohnbebauung umgeben.

Und die Auferstehungskirche? Sie hat von allem etwas – und man kann sich ihr von allen Seiten nähern. Zunächst einmal steht sie an der Messeler Straße, von der aus man ein paar Stufen zur Kirche und ihrem Nordeingang nach oben steigen muss. Rechts ragt das ehemalige Kirchenschulhaus ein ganzes Stück in den zum Teil bekiesten, zum Teil liebevoll bepflanzten, rechteckigen Kirchgarten hinein.

Man kann sich der Kirche aber auch von Süden nähern: Von der Bachgasse biegt man in die Arheilger Kirchgasse ab, läuft durch Häuserreihen, vorbei an Gärten, aus denen es im Frühling nach Flieder duftet und im Frühsommer nach Johannisbeeren, die rot an den Sträuchern hängen. Von allen Seiten gut sichtbar ragt der Kirchturm in die Höhe mit der Wetterfahne auf dem Chordach. Sie trägt die Buchstaben JDSt: Das sind die Initialen des Pfarrers Johann Daniel Stanarius, der die Kirche ab 1680 mit der tatkräftigen Unterstützung vieler Arheilger Bürger wieder erbaute. 1863 war sie fertiggestellt und am 7. November wurde sie eingeweiht.

Wer wiederum vom östlich gelegenen Gemeindehaus oder durch den Pfarrgarten zur Kirche geht, muss durch ein Törchen, läuft vorbei an Grabplatten, Gräbern und einer Gedenkstätte für im Krieg von 1870/1871 gefallene Arheilger. Den Sockel des alten Gedenksteins ziert ein merkwürdiger Spruch: „Der Herr hat Großes an uns getan, des sind wir fröhlich!“ Nicht nur der Arheilger Heimatforscher Wilhelm Andres fragte sich in seinem Buch über Alt-Arheilgen, wie die Dorfbewohner dazu kamen, sich einen solchen Spruch auszusuchen, um an die Gefallenen zu erinnern. Dazu zählen Männer, die typische Arheilger Namen tragen von A wie Anthes über B wie Benz bis S wie Stork. Sie gilt es ebenso zu betrauern wie den Schulmeister Johann Georg Michael, der jedoch nicht im Krieg geblieben ist. Vielmehr ist er 43 Jahre lang Lehrer in Arheilgen gewesen, war weltoffen und beliebt. Als er im Alter von 69 Jahren starb, wurde ihm als einzigem der Arheilger Schulmeister von der Gemeinde eine prächtige Grabplatte gesetzt. Sie ist aus Sandstein und in der Kirchhofmauer eingelassen. Inzwischen ist sie zwar verwittert, aber immer noch gut neben der Tür zum Pfarrgarten zu sehen.

Im Kirchgarten finden wir auch die Gedenkstätten für Pfarrer Ludwig Gottlieb Scriba (gest. 1804) und Barbara Christina Scriba (gest. 1788). Scriba war ein bedeutender Naturwissenschaftler und ein enger Freund von Johann Heinrich Merck. Neben seiner seelsorgerischen Tätigkeit betrieb er eifrig naturkundliche Studien und war auf dem Gebiet der Insekten- und Vogelkunde anerkannt. Aus seiner umfangreichen Naturaliensammlung, mit der er das Arheilger Pfarrhaus bis in den letzten Winkel gefüllt hatte, belieferte er Institutionen und Privatpersonen in ganz Deutschland.

Jedem Besucher der Auferstehungskirche sei empfohlen, einmal um die Kirche zu spazieren, um den Kirchgarten mit seinen mehr als 100 Jahre alten Eichen, Linden und Ahornbäumen, mit seinen blühenden Weißdornbüschen und Holundersträuchern zu genießen. Ganz still ist es meist in dem gepflegten Garten, nur die Kirchenglocken erinnern an einem warmen Frühsommertag daran, wie spät es ist, wenn man sich für einen Moment auf eine Bank oder das Mäuerchen setzt, das die Kirche im Osten begrenzt.

Wie schön ist es, die Augen zu schließen und die Ruhe zu genießen. Fast kein Geräusch ist da zu hören. Wobei: Hin und wieder wird die Idylle sehr wohl unterbrochen. Schließlich liegt der Frankfurter Flughafen nur knapp 20 Kilometer von Arheilgen entfernt, und die startenden Flugzeuge sorgen in Stoßzeiten sehr wohl für eine gehörige Geräuschkulisse. Auch die Stimmen von Buben und Mädchen des naheliegenden Kindergartens am Ruthsenbach sind immer mal wieder zu hören. Sie wiederum erinnern an das Leben, und das mitten in dem wohltuenden Garten mit seinen alten Bäumen, den blühenden Blumen und den Gedenkstätten für die Toten.