Ein Rundgang durch den Innenraum

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Wir betreten die Kirche über den Seiteneingang. Gerade läutet es zum Gottesdienst: munter, laut, auffordernd. Genauso, wie das Geläut früher die Bürger daran erinnert hat, dass es Zeit ist, die Feldarbeit zu beenden und nach Hause zu gehen. Doch zurück zur Kirche, die, wie alle anderen Kirchen, einzigartig ist. Sie hat ihren eigenen Geruch, ihr eigenes Licht, ihre eigene Melodie. Auch wenn man sie möglicherweise ein Leben lang zum Gottesdienst oder anderen Anlässen besucht hat, so begreift man manches erst dann, wenn man sich mit den Einzelheiten des Gotteshauses näher beschäftigt.

Beginnen wollen wir im Kircheninneren der mehr als 500 Jahre alten Arheilger Kirche mit einem Blick in den Chorraum, der seine ganze Schönheit besonders dann zeigt, wenn ihn die farbenprächtigen Mosaikfenster im Licht der gold-gelb einfallenden Morgensonne beleuchten. Sechs Fenster, jedes rund fünf Meter hoch, sorgen für Licht in dem Raum. Eines ist rot-blau umrandet, die nächsten Rahmen sind blau-gelb, grün-rot, rot-gelb, grün-rot, blau-gelb. Wie schön ist es anzusehen, wenn das Licht im Chorraum tanzt. Denn draußen bewegen sich die Blätter der Bäume im Wind und tragen dies in den Raum hinein. ### Bild Chorraum ###

Bleiben wir noch einen Augenblick im Chorraum mit seinem eindrucksvollen gotischen Chorgewölbe, das glücklicherweise dem zerstörerischen 30-jährigen Krieg widerstanden hat. Wir legen den Kopf in den Nacken und werfen einen Blick ins Zentrum des spätgotischen Netzgewölbes, wo die Sandsteinrippen zusammenlaufen. Dies bietet nicht nur ein erhabenes Bild, sondern gibt im vordersten Schlussstein auch eine aufschlussreiche Jahreszahl preis: anno dm MCCCCLXXXII, das heißt, im Jahre des Herrn 1482. Das Datum bezieht sich auf die Fertigstellung des Chorraums, nicht aber auf das Ge- burtsjahr der ersten Arheilger Kirche. Diese gab es bereits viele Jahrhunderte früher. Der mittlere Schlussstein zeigt ein Bild der Legende vom Schweißtuch der Veronika. Der Überlieferung nach reichte die heilige Veronika ihr Tuch Jesus Christus auf seinem Weg nach Golgota, um Schweiß und Blut von seinem Gesicht abzuwischen. Der hintere Schlussstein trägt ein Bildnis der „Hand Gottes“.

#### drei Bilder Schlusssteine ###

Auch entdecken wir auf der linken Seite im Chorraum den oberen Teil des um 1900 erneuerten alten Sakramentshäuschens aus vorreformatorischer Zeit. Ebenfalls an der linken Chorseite ist eine Gedenktafel zur Erinnerung an Pfarrer Ernst Neumann, Seelsorger in Arheilgen von 1746–1753, zu sehen. Ein pummeliger Engel sitzt im Zentrum des Epitaphs und lacht fröhlich in den Raum hinein.

Der Altarraum, so, wie wir ihn heute kennen, ist gegenüber früherer Jahrhunderte stark verändert. Der massive Altar ist 2006 bei der Renovierung der Kirche einem schlichten Altartisch gewichen; das Altarkreuz mit Korpus ist versehen mit einer Schnitzerei aus dem 19. Jahrhundert. Die Paramente, die Altar und Kanzel schmuücken, wurden in der Paramenten-Werkstatt des Elisabethenstifts Darmstadt in Nonnenstichtechnik gefertigt.  Der im Altarraum stehende Osterleuchter wurde 1998 speziell für die Kirche entworfen und gestaltet. Er trägt in seinem Knauf eine große Kugel aus Bergkristall.

Dort, wo die Stufen zur Kanzel nach oben führen, geht rechts eine spätgotische mit Eisen beschlagene Holztür ab zur Sakristei.
Die sechseckige hölzerne Kanzel ist um 1900 entstanden. Die Farbgebung, bei der neben Dunkelgrün auch Ochsenrot sowie ein Blauton verwendet wurde, stammt aus der Zeit der Kirchenrenovierung 2006. Die Farben  sind auch am anderen Holzwerk der Kirche vorhanden. Vorher war die Kanzel dem Raum eher weniger angepasst, da sie nur in tristen dunkelgrauen Tönen gehalten war. Um 1900 wurde ein Holztisch als Altar aufgestellt, der mit Tüchern verhängt war: Farben waren nicht zu sehen, auch ein Lesepult gab es damals noch nicht.

Bei den Renovierungsarbeiten wurde 2006 sowohl im Querschiff als auch im Chorraum etwa einen halben Meter unter dem jetzigen Boden der ursprünglichen Belag der Kirche enteckt. Nach den Zerstörungen wurde vermutlich der Schutt aufgeschichtet, sodass das Bodenniveau anstieg. Im Chorraum, rechts vom Eingang zur Sakristei, ist der alte Fußboden als „Fenster in die Geschichte“ durch eine eingelassene Glasplatte sichtbar.

Exponierter Punkt der Kirche ist der Taufstein, der früher in der Mitte der Kirche stand und 2006 an seinen jetzigen Standort in die vordere rechte Ecke des Kirchenschiffs versetzt wurde … (weiterlesen)

##### weg? oder in Taufstein-Seite verlegen??
Generationen von Arheilger Buben und Mädchen wurden hier mit Wasser aus dem Ruthsenbach getauft. Manch ein alter Arheilger wird möglicherweise bei dem Kirchgang den Taufstein an seinem angestammten Platz im Zentrum der Kirche vermissen; insgesamt stößt der neue Plan aber auf große Zustimmung in der Gemeinde. Dass er weichen musste, hat pragmatische Gründe. Erstens wollte man Platz gewinnen, wenn beispielsweise Konfirmanden oder Kinder etwas aufführen wollten. Hauptgrund war aber die veränderte Praxis der Abendmahlsausteilung. Während man früher in einer Reihe vor der unteren Altarstufe stand, positionierten sich die Gemeindemitglieder später in einem Halbkreis vor der unteren Altarstufe. Hierbei hatte man immer das Gefühl, der Taufstein sei im Weg.

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Vom Taufstein aus fällt der Blick auf das Nagelkreuz: symbolträchtige Erinnerung an den „Arheilger Kirchenkampf“ zwischen 1934 und 1938 … (weiterlesen)

Bei unserem Rundgang durch den Innenraum der Kirche fällt unser Blick auch auf ein romanisches Rundbogenfenster, Relikt des wohl ältesten Teils der Arheilger Kirche, dem Querschiff der mittelalterlichen Kilianskapelle. Leider wissen wir über Vorgängerkirchen nur wenig, doch erfahren wir aus Schilderungen schriftlicher Quellen, dass Heimsuchungen, Gräuel und Brände, besonders im 17. Jahrhundert den Arheilger Bürgern gewaltig zusetzten. Sie mussten schrecklich leiden und große Opfer bringen. Auch für ihre Kirche, die sie aber trotz aller Unbilden und Wirren der damaligen Zeit immer wieder aufbauten. Zeugen dieser Zeit sind die steinernen, quadratischen Fliesen: der Boden der Kirche. Risse, Mulden, Unebenheiten erzählen Geschichten von Freud und Leid, von Menschen, die voller Freude über sie geschritten oder kummervoll über sie geschlichen sind.

(Mehr zur Baugeschichte der Kirche …)

Auch die Kirchenbänke erzählen solche Geschichten. Sie knarzen, wenn man sich setzt. Das tun sie auch, wenn man sich zum Gebet erhebt oder die Füße auf dem Podest abstellt.

Hat man auf den mit roten Kissen belegten Bänken Platz genommen, fällt der Blick auf die im 17. Jahrhundert entstandenen Bilder, die bei einer umfangreichen Sanierung um 1900 freigelegt wurden und die Empore umlaufen. Sie waren viele Jahre mit Farbe übermalt. Heute sind die Bildinhalte nach Aufarbeitung wieder wesentlich besser zu erkennen – und zwar vom Altarraum aus sind es links alttestamentarische Szenen, auf der rechten Seite Szenen aus dem Neuen Testament.

Auf der Westempore ertönt die 1971 eingeweihte, neue große Orgel, unverzichtbarer Klangkörper der Auferstehungskirche. Wie viele Organisten haben dort oben schon gesessen und mit ihrem Spiel die Gottesdienstbesucher berührt.

(Mehr zu den Orgeln der Kirche …)

Der auf der Nordseite des Querschiffs sichtbare Bibeltext (Lukas 1:46-47) „Meine Seele erhebet den Herrn“ wirkt auf den ersten Blick etwas verloren. Warum nur dieses eine Bibelwort erhalten bliebe, verwundert das eine oder andere Gemeindemitglied. Was will er uns sagen? Er fordert uns auf, jedes Mal, wenn wir ihn betrachten, neu über unseren Glauben nachzudenken. Und wo wäre das besser möglich als in der Stille – und in der vertrauten, liebgewonnenen Umgebung der Auferstehungskirche.