Das Nagelkreuz

Vom Taufstein aus fällt der Blick auf das Nagelkreuz: symbolträchtige Erinnerung an den „Arheilger Kirchenkampf“ zwischen 1934 und 1938. Was war geschehen? Ein folgenschwerer Kirchenstreit zeichnete sich damals ab, dem schließlich eine Kirchenspaltung folgte, als in der Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945) die „Glaubensgemeinschaft Deutsche Christen“ entstand. Denn die Nationalsozialisten wollten eine Kirche nach ihren Vorstellungen schaffen: Unterordnung der Kirche unter den Staat, bis hin zur Abschaffung des Alten Testaments. Dagegen wandte sich in Arheilgen entschieden, wenn auch mit wechselndem Erfolg in der Auseinandersetzung mit der Kirchenleitung, Pfarrer Karl Grein, Mitbegründer der Bekennenden Kirche Hessens. Zum Eklat kam es damals im Verlaufe der Auseinandersetzung mit der Kirchenleitung, als der Landesbischof einen linientreuen Pfarr-Assistenten nach Arheilgen schickte, der den Kirchenvorstand auflöste und einen neuen ernannte. Man untersagte Pfarrer Grein sogar die Kirche zu betreten und ließ die Kirchentür vernieten, weil er sich weigerte, den Schlüssel zur Kirche, Dienstsiegel und Kirchenbücher herauszugeben. Als die Mitglieder der Bekenntnisgemeinde nun ins Gemeindehaus auswichen, um ihren Gottesdienst zu feiern, nagelte der neue Kirchenvorstand die Tür zum Gemeindehaus kurzerhand mit Zimmermannsnägeln zu. Die beiden Theologiestudenten Wilhelm Bremer und Eduard Grein legten später gemeinsam Hand an, um die Gemeindehaustür wieder zu öffnen. Unterstützt wurden beide von Ernst-Friedrich Göbel, der aus den aus der Gemeindehaustür entfernten Nägeln und Drahtresten das Nagelkreuz schuf, so wie wir es heute an der Ostwand der Kirche mit Respekt bewundern können: ein bemerkenswertes Zeugnis standfester Christen. 600 Arheilger hatten damals per Unterschrift ihren Beitritt zur Bekennenden Kirche erklärt.